
LuL2 Sitzung 2
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Sandra Preusler
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Willkommen zum
Begleitseminar zur Vorlesung „Unterricht reflektieren
und verbessern“
Thema: Unterrichtsqualität
Freitags 10:15-11:45 Sandra Preusler
2. Sitzung
Institut für Pädagogisch-Psychologische Lehr- und Lernforschung (IPL), CAU
2
Überblick über die heutige Sitzung
− Wiederholung
− Sicht- und Tiefenstrukturen von Unterricht
− Lernpsychologische und motivationale Grundlagen
−
Text 1: Stern et al_Lernen (2016)
−
Text 2: Deci & Ryan_Motivation (1993)
− Implikationen für die Unterrichtsgestaltung
3
3
WDH letzte Sitzung:
Angebot-Nutzungs-Modell zur Wirkungsweise von Unterricht
Nutzung
Wahrnehmung
des Unterrichts
individuelle
Lernprozesse
Unterricht
(„Angebot“)
Wirkungen
bei
Schüler*innen
Lehrkräfte
Professionelles
Wissen,
Motivation, …
Individuelle Voraussetzungen
Vorwissen, Intelligenz, Interessen, sozialer Hintergrund
Kontext
Schule, Klasse
außerschulische
Lernangebote
(vgl. Helmke, 2009; Lipowsky, 2007; Kunter & Trautwein, 2013)
4
4
5
Sicht- und Tiefenstrukturen,
Lernpsychologischen und
motivationalen Grundlagen,
und Implikationen für guten
Unterricht
6
6
1. Ein Ansatz zur Klassifizierung von Unterrichtsmerkmalen:
→ Unterscheidung von Sicht- und Tiefenstrukturen
???
7
7
Oberflächen - / Sichtstrukturen:
➢…beschreiben die übergreifenden
Organisations- und
Strukturierungsformen für alle
Unterrichtsprozesse → bilden den
Rahmen des Unterrichts
➢ … können „direkt“ durch kurzes
Betrachten der Unterrichtssituation
erkannt werden
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Tiefenstrukturen:
•… beschreiben die Qualität der Lehr-Lernprozesse, d.h.:
➢ die Qualität der Auseinandersetzung der Lernenden mit den
Lerninhalten
➢ die Qualität der Interaktionen zwischen den handelnden Personen
•… erfordern eine stärkere Interpretation des Unterrichtsgeschehens.
9
9
Oberflächen- und Tiefenstrukturen
im Unterricht
Zwei zentrale Befunde:
➢ 1.) Sichtstrukturen und Tiefenstrukturen variieren weitgehend unabhängig
voneinander!
− D.h. „gute Lehr-Lernprozesse“ können durch eine Vielzahl von
Kombinationen aus Organisationsformen, Methoden und Sozialformen
erreicht werden
➢ 2.) Auf die Tiefenstrukturen kommt es an: Ob Unterricht erfolgreich ist, hängt
daher weniger von den Sicht- als von den Tiefenstrukturen ab
− (Hattie, 2009, Seidel & Shavelson, 2007)
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10
Multiple Choice
Was ist wichtiger für erfolgreichen Unterricht?
Sichtstrukturen
Tiefenstrukturen
11
Eisberg-Metapher
11
Bildquelle: Trautwein, Sliwka und Dehmel (2022)
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Was sind „gute Lehr-Lernprozesse“?!
➢ Lernpsychologische und motivationale Grundlagen!
•Text 1: Stern et al_Lernen (2016)
•Text 2: Deci & Ryan_Motivation (1993)
➢ Implikationen für die Gestaltung von Unterricht!
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Hausaufgaben zur heutigen Sitzung:
Lesen Sie die folgenden Texte und machen Sie sich stichwortartig Notizen
zu den Themen „Lernen und Wissenskonstruktion“ und „Motivation und
ihr Einfluss auf das Lernen“:
•Text a: Stern et al_Lernen (2016)
•Text b: Deci & Ryan_Motivation (1993)
14
14
Lernpsychologische Grundlagen: (Stern et al., 2016):
Erwartungshorizont
•Wichtig wäre es gewesen, das Lernen von Schülerinnen und Schülern vor dem
Hintergrund des ‚Drei-Speicher-Modells‘ als aktiven, (vor-)wissensgesteuerten
Konstruktionsprozess zu beschreiben, auf den ‚langwierigen Weg‘ vom
Arbeitsgedächtnis ins Langzeitgedächtnis einzugehen, die Notwendigkeit der
Unterstützung durch die Lehrkraft zu diskutieren, und vor diesem Hintergrund
die sich ergebenden Implikationen eines kognitiv anregenden und
unterstützenden Unterrichts herauszuarbeiten.
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Motivationale Grundlagen (Deci & Ryan, 1993):
Erwartungshorizont:
•Wichtig wäre es gewesen, die positive Bedeutung einer auf Selbstbestimmung
beruhenden (extrinsischen oder intrinsischen) Lernmotivation für effektives,
nachhaltiges Lernen, die Entwicklung fachlichen Interesses und den Spaß am
Unterricht zu beschreiben und herauszuarbeiten, inwieweit die soziale Umwelt
der Schule und die Lehrperson durch Unterstützung der Bestreben nach
Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit die Entwicklung einer
solchen Motivation unterstützen kann.
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2. Lernpsychologische und motivationale Grundlagen
3. Implikationen für die Gestaltung von Unterricht
➢ Welche Folgerungen ergeben sich aus diesen Grundlagen für die Gestaltung von
Unterricht in Hinblick auf das Ziel „Fachbezogenes Lernen“?
−Versuchen Sie, möglichst konkrete Maßnahmen zu nennen (und diese zu begründen!)
1.Lerntheoretische Implikationen für Unterricht
(z. B. auf Vorwissen aufbauen)
2. Motivationstheoretische Implikationen für Unterricht (z.B. SuS mitbestimmen lassen)
18
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Open Ended
Nennen Sie lerntheoretische Implikationen (konkrete Maßnahmen) für guten Unterricht
18
Lerntheoretische Implikationen für Unterricht
−1.) Schüler/innen selbstständig Herausforderungen bewältigen lassen
-Lernen = Eigenaktivität, aktiver Prozess
-Schüler*innen eigene Vermutungen/Hypothesen und Lösungswege finden lassen
−2.) Verknüpfung neuer Lerninhalte mit bestehendem Wissen erleichtern
-Aufzeigen, auf welchen bereits bekannten Wissenselementen der neue Lerninhalt
aufbaut
-Relevantes Vorwissen (re)aktivieren, bevor der neue Lerninhalt eingeführt wird
-Einbetten der neuen Lerninhalte in lebensweltliche Kontexte und Probleme
-Mit Schülervorstellungen auf „evolutionäre“ Weise umgehen
−3.) Den Aufbau neuer Verknüpfungen/Strukturen erleichtern
-Zentrale Fragestellungen und Ziele der Unterrichtsstunde transparent machen
-Zentrale Elemente hervorheben, zusammenfassen und am Stundenende sichern
-Einzelne Wissenselemente zu größeren Einheiten zusammenfassen und in Beziehung
zueinander stellen (Prozeduralisieren)
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Lerntheoretische Implikationen für Unterricht
−4.) Kognitiv anregende Lernaufgaben und Arbeitsaufträge stellen
-tiefergehende Denkprozesse anregen
−5.) Verbindungen aktiv halten und immer wieder aktiv herstellen
-Aktivierendes Üben, Wiederholen und Festigen
-Metakognitive Fragen und Strategien
-Selbstreflexive Lernprozesse
−6.) Unterrichtsmaterial angemessen fokussieren
-Ablenkende Aspekte vermeiden
-Ultrakurzzeitgedächtnis entlasten, irrelevante Reize vermeiden
-Didaktische Reduktion
-Geeignete Darstellungsformen einsetzen
-etc. …
22
20
Open Ended
Nennen Sie motivationstheoretische Implikationen (konkrete Maßnahmen) für guten Unterricht
21
Motivationstheoretische
Implikationen für Unterricht
−1.) Schüler*innen Möglichkeiten für Eigeninitiative, Mitbestimmungsmöglichkeiten und
Wahlfreiheiten bieten
−2.) Freundlicher, positiver Umgang mit Fehlern sowie die Trennung von Lernphasen und
Beurteilungsphasen
-Fehler als Lerngelegenheiten/-chancen (verdeutlichen, dass es nicht „schlimm“ ist , einen Fehler zu machen, dass Fehler „normal“ sind und zum Lernen dazugehören, eine gute Gelegenheit sind, etwas dazuzulernen etc.)
-Deutlich machen, dass Leistungen in einer Lernphase NICHT mit in die Beurteilung/Note mit eingehen
−3.) Lobende Förderhaltung
-Loben / Anerkennung über positive Leistungen zum Ausdruck bringen
−4.) Positive Schüler-Schüler / Lehrer-Schüler-Beziehungen
-Offenheit, Wärme und Freundlichkeit der Lehrperson
-Fürsorglichkeit und Sensibilität auch für (sozial-emotionale) Probleme in der Klasse
-Positive Schüler*innen-Lehrkraft-Beziehungen (Lehrkräfte, die ihre innere Beteiligung, ihr ehrliches Interesse an der Person der Schüler*innen und ihre persönliche Anteilnahme an den Schüler*innen und ihren Lernprozessen zum Ausdruck bringen)
-Ein gutes „Klassenklima“ mit klaren Regeln und Verhaltenserwartungen
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Motivationstheoretische
Implikationen für Unterricht
−5.) selbstständigkeits-/autonomieförderndes Feedback
-(a) freundlich, wohlwollend, entwicklungs- statt defizitorientiert
-(b) konkrete Hilfe/Unterstützung, die den Schüler*innen genau aufzeigt, wie sie die Aufgabe
künftig besser bewältigen können
−6.) Aufgreifen von / Arbeiten mit Lebensweltbezügen und Schülerinteressen
-Anschauliche Unterrichtsmaterialien
-„Echte“ /authentische lebensweltliche Probleme
−7.) Auswahl von Aufgaben, die ein optimales Anforderungsniveau aufweisen
-Auswahl von Aufgaben, die ein optimales Anforderungsniveau für die Lerner aufweisen (weder zu
leicht noch zu schwer; mittleres Anforderungsniveau), damit die Schüler*innen Selbstwirksamkeit
erfahren können (individuelle Unterstützung/Differenzierung)
-etc.…
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Was sind „gute Lehr-Lernprozesse“?!
die Qualität der Lehr-Lernprozesse …
➢ die Qualität der Auseinandersetzung der Lernenden mit den Lerninhalten
•Schüler*innen selbstständig Herausforderungen bewältigen lassen
•Verknüpfung neuer Lerninhalte mit bestehendem Wissen erleichtern
•Unterrichtsmaterial angemessen fokussieren
•Kognitiv anregende Lernaufgaben und Arbeitsaufträge stellen
•...
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Was sind „gute Lehr-Lernprozesse“?!
die Qualität der Lehr-Lernprozesse …
➢ die Qualität der Interaktionen zwischen den handelnden Personen
•Lobende Förderhaltung
•Freundlicher, positiver Umgang mit Fehlern …
•Selbstständigkeitsförderndes Feedback
•Positive Lehrer-Schüler-Beziehungen
•...
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25
Was sind „gute Lehr-Lernprozesse“?!
die Qualität der Lehr-Lernprozesse …
➢ die Qualität der Auseinandersetzung der Lernenden mit den
Lerninhalten
➢ die Qualität der Interaktionen zwischen den handelnden Personen
… kann im Unterricht durch eine Reihe von konkreten Maßnahmen
erreicht werden.
Nächste Sitzung mehr
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Zwischenfazit Unterrichtsqualität:
•Guter Unterricht hat viele verschiedene Ziele (kognitive Entwicklung, affektiv-emotionale
Entwicklung, motivationale Entwicklung, …)
•Es gibt nicht „den“ Königsweg des guten Unterrichts…
➢ Guter und schlechter Unterricht sind auf vielfältige Weise möglich
➢ Guter Unterricht gelingt selten durch ein bestimmtes Vorgehen…
➢ … sondern i.d.R. durch die sinnvolle Kombination verschiedener Gestaltungselemente,
didaktischer Strategien und methodischer Grundformen
•… aber einen großen Konsens über die Gestaltung der „Angebotsseite“ guten
Unterrichts:
➢ Entscheidend sind nicht die Sichtstrukturen, sondern die Tiefenstrukturen des
Unterrichts
➢ Diese werden in der Forschung häufig als „Basisdimensionen der Unterrichtsqualität“
bezeichnet
Mit diesen „Basisdimensionen“ werden wir uns in den kommenden Sitzungen genauer
beschäftigen
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Hausaufgaben zu Sitzung 3:
Bringen Sie bitte folgende Texte zur nächsten Sitzung mit (gerne auch
digital):
(Sie brauchen die Texte noch nicht zu lesen, dafür werden Sie in Sitzung 3
ausreichend Zeit bekommen
•Text a: Groeschner_Kleinknecht_2013
•Text b: Kunter & Trautwein, 2013 (Auszug)
•Text c: Kunter & Voss, 2011 (Auszug)
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und verbessern“
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